Wie links ist die Kirche?

Der Katholischen Aktion sei Dank. Sie hat jenen Tropfen fallen lassen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt. Als die KA der Erzdiözese Wien mit weihbischöflicher Unterstützung sich öffentlich und lautstark für die Unterzeichnung des Anti-TTIP/CETA-Volksbegehrens aussprach, platzte in den Reihen des ÖCV so manchem der Kragen. Viele Mitglieder sahen sich in keiner Weise als Teil jenes Kirchenvolkes, das die Katholische Aktion zu vertreten glaubte, und stellten genau die Frage, die nun zum Hefttitel der ACADEMIA wurde: Wie links ist die Kirche?

Bekanntlich füllt der letzte Tropfen das Fass nicht allein. Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus haben er, viele Bischöfe und katholische Institutionen den Kurs der Kirche in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen deutlich verändert. „Diese Wirtschaft tötet“ hat sich als Schlagzeile eingebrannt, die Verfechter der freien Marktwirtschaft und des freien Welthandels ebenso schmerzt wie das wertkonservative Kirchenvolk. Nicht zuletzt sind so manche Positionen und Aktivitäten von Caritas und Katholischer Sozialakademie im Zuge der Zuwanderungswelle der vergangenen zwei Jahre auch bei so manchem ÖCVer auf massives Unverständnis gestoßen.

Kardinal Schönborn (Rt-D EM) spricht im Interview mit der ACADEMIA von „vielen verschiedenen Stimmen“, die sich innerhalb der Kirche zu Themen Gedanken machen, die in irgendeiner Weise mit Wirtschaft und sozialen Fragen zusammenhängen. Wir haben versucht, einige dieser Stimmen auf insgesamt zehn Seiten zu Wort kommen zu lassen – ganz bewusst in großer Bandbreite, um der Leserschaft die Möglichkeit zu differenzierter Meinungsbildung zu bieten.

Viele Gedanken macht sich übrigens auch der ÖCV. In einem tiefgehenden Meinungsbildungsprozess haben die Verbindungen und ihre Mitglieder an einem wirtschaftspolitischen Positionspapier gefeilt, das im Mai auf der Cartellverbandsversammlung in Salzburg diskutiert und beschlossen werden soll. ACADEMIA wird diese Leitlinien selbstverständlich publizieren. Sie sollen Grundlage und Anlass sein, dass auch der ÖCV und seine Mitglieder wieder stärker eintreten in den innerkirchlichen Dialog und den Bischöfen und Verantwortungsträgern signalisieren: (Auch) Wir sind das Volk!

Guter Muslim – Böser Muslim

„Kurz: Müssen gegen politischen Islam kämpfen!“ So titelte „Die Presse“ am 24. Jänner und ließ uns fast glauben, der Außenminister hätte heimlich in den Korrekturfahnen dieser ersten ACADEMIA-Ausgabe des Jahres 2017 geblättert.

Vor genau zwei Jahren widmeten wir uns erstmals dem Islam und fokussierten dabei die religiös-kulturellen Trennlinien zwischen dem Islam und dem modernen Europa. Diesmal richten wir den Blick auf die Menschen: Was leitet sie? Wer steuert sie? Worin wurzeln die Kulturen, aus denen sie kommen? Welche Ängste lösen die Muslime bei uns aus? Die Antworten auf all diese Fragen beginnen notwendigerweise mit einer Differenzierung und die führt nahezu zwangsläufig zum „politischen Islam“. Lange ignoriert oder verharmlost, rücken diese Strömung und ihr Gefahrenpotenzial nun in den Fokus der Bundesregierung. Auch der Vorort des ÖCV und die Verbandsführung setzen sich im laufenden Arbeitsjahr intensiv mit dem Thema auseinander. Immerhin hält die Mehrheit der ÖCVer die muslimische Zuwanderung nach Österreich für die causa prima der österreichischen Innen-
und Außenpolitik. 

Genauso wie beim Thema Islam haben wir versucht, auch bei zwei Bildungsthemen die Dinge beim Namen zu nennen. Und eine Wahl verdient unsere besondere Aufmerksamkeit: die der Pfarrgemeinderäte am 17. März. Die Kandidatensuche ist bereits abgeschlossen. Nun heißt es hingehen, wählen und mitarbeiten!

Diplomatie 2.0: "Das kann man doch nicht so sagen!"

Die Bundespräsidentenwahl steht direkt bevor und ihr Ausgang ist offen – das kann man auch mit dem Abstand behaupten, den die Produktionsdauer und der Postweg nötig machen. Die ACADEMIA erscheint nun ein volles Jahr in neuer Aufmachung und beinahe die ganze Zeit hatte sie diverse (geplante) Urnengänge zur Wahl des Staatsoberhaupts als Begleiter, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Auch in dieser Ausgabe behalten wir diese Praxis bei – die Abwägungshilfe von Alexander Purger aus der vergangenen Nummer hat immer noch Gültigkeit. Was aber eine Konstante all dieser Wahlgänge blieb, war die gleichbleibende Kluft zwischen veröffentlichter Meinung in den Mainstream-Medien und der vox populi. Ein Phänomen, das sich auch bei den US-Wahlen wieder eindrucksvoll zeigte. Der Maulkorb, den man sich heute oft auferlegen lassen muss oder selbst auferlegt, bestimmt die heutige Ausgabe, die als Fortsetzung der letzten Nummer den Titel "Diplomatie 2.0" trägt.

Nach einer kurzen Einführung ins Thema hat Armin Arbeiter (Rd) ein recht kritisches Interview mit einer ganz und gar undiplomatischen und vielgehassten Dame geführt – Beatrix von Storch. Dem schließt sich ein Interview mit dem ungarischen Botschafter János Perényi über Diplomatie, Orban und Putin von Achim Ertl (BbG) an. "Diplomatie oder überzogene Toleranz?" musste man sich fragen, als deutsche Bischöfe auf muslimische Bitte hin ihre Brustkreuze am Tempelberg in Jerusalem ablegten. Der Blogger Marco Gallina erklärt, warum Don Camillo das nicht getan hätte. Zur Abrundung des Schwerpunktes hat Florian Kamleitner (Rd) einen heiteren Ausflug in die Welt der roten Netzwerke unternommen.

Unsere Serie zum neuen ÖCV-Grundsatzprogramm widmet sich diesmal dem Verhältnis des Verbandes zur Religion. Unter anderem gibt Bischof Manfred Scheuer (AIn) dazu einen Kommentar ab. Einen wertvollen historischen Beitrag steuert Gerhard Hartmann (Cl, Baj) zur ersten Halbzeit des ersten Weltkrieges bei, Thomas Eisenhut (Am) berichtet von Würdigungen in Wissenschaft und Technik. Das Heft wird von Kommentaren, Lesermeinungen und diesmal auch wieder von Rezensionen abgeschlossen.

Übrigens: Den Aufruf auf der Titelseite möge man als billige Effekthascherei ansehen. Der neue Bundespräsident – wer immer es auch sei – darf ihn aber als Ansporn sehen, auch unliebsame Meinungen aller Österreicher ernst zu nehmen und das Amt ohne jede Überheblichkeit auszuüben. Was auch den Medien- und Meinungsmachern des Landes ins Stammbuch geschrieben sei.

MAKE AUSTRIA GREAT AGAIN!

Eine Frage der Diplomatie?

Eine diplomatische Krise warte auf Österreich, sollte Norbert Hofer zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt werden. Das Ansehen Österreichs in der Welt werde massiven Schaden nehmen. Nun ja – seit der ersten Stichwahl sind wir nun weltweit für unsere Schlampigkeit bekannt. Der versuchte zweite Anlauf kommt dann schon einem Schildbürgerstreich gleich. Was auch immer bei der Wahl des höchsten Amtes im Staate herauskommt, wann auch immer der Urnen- oder Postkastengang stattfinden wird – wirklich überraschen oder schockieren wird das Ergebnis kaum jemanden mehr. Zu viele Skurrilitäten hat man inzwischen verdaut. Für einen schalen Beigeschmack sorgen beide Kandidaten.

Um dieser frustrierenden Situation zu entgehen, wagen wir einen Blick zurück, als Österreich zwar auch unorthodox vorging, damit aber einen besseren Eindruck in der Welt hinterließ. Zwei Zeitzeugen lassen uns einen Blick hinter die Kulissen des Staatsvertrags werfen. Eine härtere Gangart fuhren die Diplomaten am Vorabend des Ersten Weltkriegs, wie Eric Leuer (Agg) zur „Mission Hoyos“ erörtert. Um uns allerdings nicht ganz ins Gestern zu flüchten, versucht der Vorsitzende der Paneuropa-Jugend, Philipp Jauernik (FRW), Klarheit in der Frage „Mehr oder weniger Europa?“ zu bringen. Der renommierte Journalist Reinhard Olt fragt anlässlich des 70. Jahrestages des Gruber-De Gasperi-Abkommens provokant: „Magna Charta“ für oder „Verrat“ an Südtirol?

Der Heftschwerpunkt zieht sich diesmal eigentlich durch die gesamte Ausgabe. Denn auch wenn Recep Tayyip Erdoğan nicht unbedingt im Ruf steht, diplomatisch aufzutreten, beweist er doch ein Händchen im Krisenmanagement. Wir haben Walter Posch (Alp) in dieser Ausgabe besonders viel Platz gegeben, um die komplexen Hintergründe des Putsches im Juli zu beleuchten. Ungezwungen, fast naiv und deshalb auch etwas undiplomatisch wirkt bisweilen Papst Franziskus. Mit diesem Thema macht der Neupriester Quirinus Greiwe (Rst, Rd) den Auftakt für die meinungsjournalistischen Beiträge der Ausgabe.

Auch die Technologie hat ihren Platz in dieser Ausgabe und Wolfgang Moser (Nc) zieht in seinem Beitrag eine Trennlinie zwischen erneuerbaren Energien und Ideologie.

Im Zuge der Reihe zum neuen ÖCV-Grundsatzprogramm beschäftigen sich schließlich junge ÖCV-Mitgieder mit dem Prinzip „Patria“, was den Kreis wieder schließt: Auch die BP-Wahl ist natürlich Thema. Alexander Purger (Lp) liefert einen absolut wahlterminunabhängigen Leitfaden, der anregt und nicht bevormundet. Dafür benötigten wir schon einen Politjournalismus-Vollprofi.

Vale universitas?

Es herrscht große Unsicherheit. Das klassische Lagerwählen war bei der letzten Wahl nicht mehr möglich. Von Links und Rechts wird weiterhin gezündelt, die politischen Ränder rüsten auf. Vieles, was vor wenigen Monaten noch als bürgerlich galt, etwa die außenpolitische Linie von Außenminister Kurz, wird jetzt vom medialen Mainstream als jenseitig dargestellt. De-facto-Denkverbote bestimmen den öffentlichen Diskurs in vielen Bereichen. Die Meinung der Bürger und die veröffentlichte Meinung klaffen weit auseinander. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Grundfesten der Demokratie durch die zahlreichen Unregelmäßigkeiten bei den Auszählungen des letzten Wahlgangs erschüttert. Man hat das Gefühl, politisch schwere Zeiten kommen auf uns zu.

Eine mögliche Lösung des Problems liegt in der Bildung der Österreicher – und damit will ich nicht in das alte „Die Dummen wählen FPÖ“-Horn blasen. Zu ernsthafter Bildung gehört nämlich auch der offene Diskurs. Ein Diskurs, den sich auch die ACADEMIA zu führen vornimmt, in dieser Ausgabe über die Universitäten und andere spannende Themen, die auch von Redakteuren der Lehrredaktion mitgestaltet wurde.

Eine kurze Bestandsaufnahme zur Lage der österreichischen Universitäten bildet das Titelthema. Dass Österreichs Universitäten durchaus selbstbewusst sein dürfen, erläutert der stellvertretende Leiter der Hochschulsektion im BMWFW, Heribert Wulz (BbG), im Interview mit unserem Redakteur Achim Ertl (BbG). Über die bedrohte Art „Chargierte“ auf einigen Universitäten und die Hintergründe der Causa berichtet Florian Kamleitner (Rd), die Rolle der ÖH beleuchtet AG-Vorsitzender Andreas Jilly (Nc). „Studium vorbei; was nun?“ – Matthias Wolf (Rg), Gründer des HR-Technologie-Startups firstbird, rundet den Uni-Schwerpunkt mit persönlichen Tipps für Jungakademiker und ihren Einstieg ins Berufsleben ab.

Seit wenigen Wochen hat der ÖCV ein neues Grundsatzprogramm. Der Architekt dieses Dokuments, Florian Tursky (AIn, Rd), berichtet vom breiten Entstehungsprozess. Er eröffnet damit eine Serie zu diesem Programm.

Für eine interessante Reportage hat sich Armin Arbeiter (Rd) auf den Weg nach Jerusalem gemacht, um einen Lokalaugenschein am israelischen Unabhängigkeitstag zu wagen. Historisch Interessierten seien die Beiträge von Quirinus Greiwe (Rst, Rd) über die Jugend, die sich im Hochmittelalter plötzlich gegen „Trunksucht, Fraß und Wollust“ wandte, und Wilhelm Mühlöcker (Baj) zur Vorgeschichte des spanischen Bürgerkriegs ans Herz gelegt. Die Flüchtlingsfrage und die Lange Nacht der Kirchen verarbeitet Klaus-Lukas Zimmermann (F-B) in einem Beitrag. In seiner Kolumne meldet sich Herbert Kaspar (Am) zu eingangs erwähnten Fragen der aktuellen politischen Lage mit spitzer Feder zu Wort.

Alt & Jung

Jetzt produziert also ein verjüngtes Team die ACADEMIA – und das seit mittlerweile vier Ausgaben. Die aufmüpfige Jugend ist am Ruder und trotzdem hält sich das empörte Kopfschütteln der ergrauten Häupter in Grenzen.

Zwar haben wir die ACADEMIA angenehmer lesbar gemacht und von der grafischen Aufmachung her in die 2010er-Jahre gebracht – das honorieren auch viele Rückmeldungen zufriedener Leser. Aber große Skandale sind bisher im Großen und Ganzen ausgeblieben. Lässt sich daran festmachen, dass das Aufbegehren der Jugendlichen gegen das Alter langsam ein Ende findet? Dieser These stimmen auch zahlreiche Studien zu, die die Jugend als eher konservativ zeichnen: Junge, die in ihren Eltern wichtige Vorbilder sehen, Werte vorhergehender Generationen bewusst übernehmen. Ja wo kommen wir denn da hin? Aber: Ist das konservativ sein nicht auch eine Art Revolte gegen die 68er und Konsorten? Der Romanautor Klaus Berek (AIn) hat das Thema unter die Lupe genommen.

Überhaupt ist die ACADEMIA ein Blatt mit einer sonderbaren Leserschaft. Ihre Zielgruppe lässt sich nicht nach an einer Altersgruppe „von–bis“ festlegen. Sie ist nämlich vom Jugendlichen bis ins hohe Alter einigermaßen gleichmäßig verteilt. Das liegt in der Natur der Sache unserer ÖCV-Zeitschrift – über den für den Verband konstitutiven Generationendialog schreibt Peter Neuböck (R-J), der ab diesem Sommer amtierende Vorortspräsident des ÖCV.

Keimzelle der Gesellschaft und Zuhause aller Generationen ist die Familie: Die zentralen Punkte des apostolischen Schreibens „Amoris Laetitia“ fasst Paul Wuthe (Rt-D) zusammen, der für die ACADEMIA bereits die Synode begleitet hat. Mit der Rolle ungewollter Kinder befasst sich Clemens Steindl (Nc) und Hanna-Lisa Karasch, österreichische Koordinatorin der Bürgerinitiative „Vater, Mutter, Kind“, setzt sich für ein Festhalten am traditionellen Familienbild ein.

Die Flüchtingsproblematik beschäftigt auch diese ACADEMIA, Domenic Dirnbacher (V-B) liefert einen persönlichen Bericht aus Traiskirchen. Außerdem in dieser Ausgabe: Landtagsabgeordnete Gudrun Kugler über die aktuelle Lage der verfolgten Christen in der Welt, Wolfgang Thill (Am) betrachtet den Iran näher und David Nagiller (AIn) weiß Interessantes aus der Kärntner Politik zu berichten. Der Priesterseminarist Christoph Sperrer (Am) setzt sich mit Dawkins’ Gotteswahn auseinander. Passend zum Jubiläum gibt Martin Haidinger (BOW) Anekdoten über Kaiser Franz Joseph zum Besten und rundet die Ausgabe damit ab.

Die ACADEMIA-Redaktion freut sich auf ein kurzes Durchatmen nach drei relativ knapp auf einander folgenden Ausgaben, die nächsten Hefte entstehen dann unter verstärkter Einbindung der ACADEMIA-Lehrredaktion – Interessierte sind immer herzlich willkommen!

Untergang des Abendlandes?

Geht das Abendland bald unter? Die vergangenen Wahlen – so der Tenor der Verlierer – standen allesamt ganz im Zeichen der Flüchtlingsproblematik. Plakatsujets, die jenem Schriftzug auf der Titelseite der aktuellen ACADEMIA gleichen, bekommen wieder mehr Rückenwind.

Die Flüchtlingsströme haben es vielen betont Toleranten und Weltoffenen schwer gemacht weiterhin tolerant und weltoffen zu bleiben. Konservative taumeln zwischen Werterelativismus, christlicher Nächstenliebe und Angst vor dem Fremden. „Mama“ Angela Merkel bleibt bei ihrem bedingungslosen „Wir schaffen das“. In diesem unsicheren Klima ist es ausgerechnet jener österreichische Minister, den man als Tafelklassler angesehen hatte, der ganz Deutschland erklärt, wie Asylpolitik zu funktionieren hat – unter dem Applaus der Massen. Die Menschen haben Angst um ihre Heimat, wie sie sie kennen. Vor Werteverlust, wobei viele gar nicht mehr wissen, was diese Werte eigentlich sein sollen. Der Untergang des Abendlandes steht scheinbar direkt bevor.

Aber was ist dieses Abendland überhaupt? Ist es das „Abendland in Christenhand“ (ein FPÖ-Slogan, auf den H. Quirinus Greiwe (Rst, Rd) in seinen Betrachtungen eingeht)? Sind unsere Werte wirklich bedroht durch die Immigranten oder leidet unsere Leitkultur eher an der „Lauheit der Österreicher“, wie es Präsidentschaftskandidat Andreas Khol (R-B) im Interview fragt? Mit juristischen Unklarheiten in der Flüchtlingsfrage beschäftigt sich der renommierte Völkerrechtler Wolfram Karl (R-J EM). Eine völlig andere Perspektive auf den scheinbaren Widerspruch Abendland–Morgenland bringt der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar (Cp). Der Militär-Experte und Iranist Walter Posch (Alp) erklärt indes die schwierige Situation rund um den Syrienkonflikt. 

Die ACADEMIA sprach in einem offenen Interview mit Andreas Khol, dem ÖCVer unter den BP-Kandidaten. Die Bundespräsidentenwahl wird auch in einem „Anno dazumal“ aufgerollt – im Spiegel historischer ACADEMIA-Ausgaben. Außerdem Thema: Die Schuldebatte geht weiter – dazu Wolfgang Türtscher (Le) –, und Gerhard Hartmann (Baj) zeigt Parallelentwicklungen zu Österreich bei den deutschen Hochschulwahlen auf. Bildung abseits der Politik bringt Martin Vácha (Alp) näher: nämlich das scheinbar ungleiche Paar Kunst und Wissenschaft.

In den Kommentaren wird es aber sofort wieder hochpolitisch. Auf den Pensionsgipfel gehen gleich zwei Autoren ein: Verbandsführungs-Vorsitzender Georg Feith (GlL) schreibt über Vogelstrauß-Mentalität, und auch Herbert Kaspar (Am) hat wieder seine berühmt-berüchtigte spitze Feder gezückt.

Sprachv_er*wirrung

Die neue ACADEMIA präsentiert sich dem Leser in völlig neuem Gewand. Damit ist der Generationswechsel der Zeitschrift nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch vollzogen. Ein großer Brocken Arbeit, dessen sich Johann-Georg Stadler (Rd) auf Basis vielfältiger Anregungen angenommen hat. Die vielen positiven Rückmeldungen der Leserschaft auf die Dezemberausgabe haben uns zusätzlich motiviert, die Zeitschrift weiterzuentwickeln.

Nicht nur die Aufmachung, auch das Schwerpunktthema ist dieses Mal unkonventionell: Studenten müssen sich seit Jahren damit herumschlagen, öffentliche Institutionen legen sich entsprechende Beauftragte zu und ändern manchmal sogar ihre Namen. Neue Lehrstühle werden geschaffen, oftmals wichtige Grundlagenfächer im Studienplan zu seinen Gunsten gestrichen – die Rede ist vom Gendern. Trotzdem: Umfragen zufolge lehnen 90 Prozent der Österreicher das Gendern ab oder erachten es nicht für sinnvoll. Zurecht? Das fragen sich die Experten in dieser Ausgabe: Der Germanist Tomas Kubelik beleuchtet die Einflüsse auf die Sprache, Landtags-Abgeordnete Gudrun Kugler jene auf die Gesellschaft (und Hirsche!?) und der Genetiker Rudolf Öller (Rp) sieht sich den Unterschied zwischen Mann und Frau ein wenig genauer an.

Den Bogen vom Schwerpunkt zu den weiteren Beiträgen des Heftes spannt David Nagiller (AIn), der die Errungenschaft „Eingetragene Partnerschaft“ hinterfragt und sich in einem weiteren Artikel dem Erfolg konservativer Parteien in Europa widmet. Historische Beiträge kommen vom Doyen der katholischen Studentengeschichte, Gerhard Hartmann (Baj), über die 54(!) katholisch korporierten Landeshauptleute sowie von Gerhard Jandl (Kb), der jüdische Studentenverbindungen als essentiell für das Entstehen des Staates Israel hervorstreicht.

Achim Ertl (BbG) hat mit Josef Paul Puntigam, dem damals verantwortlichen Kommandanten, sowie mit den Verteidigungsministern Robert Lichal (Rt-D) und Werner Fasslabend über die Ereignisse des Sommers 1991 gesprochen. Dabei hat er bis dato kaum bekannte Fakten gesammelt. Domenic Dirnbacher (V-B) bespricht das Problemfeld Datenschutz, wenn es um Errungenschaften wie Drohnen, Google Glass und Co. geht. Und: Die Bundespräsidentenwahl steht vor der Tür. Paul Hefelle (F-B) analysiert die Ausgangslage und fragt nach Möglichkeiten und Grenzen des Amtes.

Meinungselemente sind wichtiger Bestandteil unserer Zeitschrift. Rudolf Thron (Nc) rechnet mit dem Klima-Hype ab und die bei ACADEMIA-Lesern wohlbekannte spitze Feder von Herbert Kaspar (Am) kommt wieder zum Einsatz.

Da ist was los in Rom

Auf die Frage, wie mit der fortschreitenden Islamisierung umzugehen sei, entgegnete die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei einer Podiumsdiskussion im September 2015: „Haben wir den Mut zu sagen, dass wir Christen sind“, und bekrittelte mangelnde Glaubenskenntnisse der Christen im Vergleich zu Anhängern des Islam. Es ist wichtig, den Blick nicht nur angstvoll in Richtung Paris, sondern ihn auch hoffnungsvoll nach Rom zu lenken und uns mit katholischen Themen zu beschäftigen. Das versucht die aktuelle ACADEMIA. 

Papst Franziskus ist eine Integrationsfigur, die auch Glaubensferne anspricht. Eine Annäherung an ihn, von dem manchmal auch „linke“ Töne zu kommen scheinen, liefert Rudolf Mitlöhner. Worum es bei der Familiensynode wirklich ging, war Medienberichten kaum zu entnehmen. Paul Wuthe (Rt-D) hat die wichtigsten Punkte für uns zusammengefasst und Andreas Wieser (AIn) erklärt die kirchenrechtlichen Hintergründe. Vatikan-Skandale sind für Mainstream-Medien natürlich interessanter, einige nimmt Quirinus Greiwe (Rst, Rd) in seinem Kommentar aufs Korn. Ein Interview mit dem „PR-Mann Gottes“, Prälat Wilhelm Imkamp, rundet das Titelthema ab. 

Die Flüchtlingsproblematik bringen zwei Autoren auf eine sachliche Ebene: Peter Webinger (Rp) aus Sicht des Innenministeriums und Richard Pichler (Rd) von Seiten der NGOs. Alexander Purger analysiert die vergangenen Landtagswahlen und Viktor Kurmanowytsch liefert abschließend Einblicke in die aktuelle Lage in der Ukraine.

Generationen – Gerechtigkeit

„Generationengerechtigkeit ist erreicht, wenn die Chancen nachrückender Generationen auf Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse mindestens so groß sind wie die der ihnen vorangegangenen Generationen“, so der deutsche Experte Jörg Tremmel im Jahr 2003. Als generationenübergreifender Verband ist der ÖCV daher geradezu prädestiniert, hier die Initiative zu ergreifen. In einem einführenden Beitrag zeigt Peter Prieler versicherungsmathematisch dringend notwendige Korrekturen auf, ehe der Vorsitzende der Verbandsführung, Georg Feith über die jüngst installierte „Initiative Generationengerechtigkeit im ÖCV“ und die zentralen Forderungen informiert. 

Jene Reformen, die zwingend für eine nachhaltige Gestaltung des Pensionssystems gesetzt werden müssen, nennt der renommierte Arbeits- und Sozialrechtsexperte Univ.-Prof. Wolfgang Mazal (NbW), während Ökonom Ulrich Schuh die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit sowie massive Ungleichbehandlungen anprangert. Abschließend vergleicht David Nagiller (AIn) die Pensionssysteme von vier ausgewählten europäischen Staaten. 

Das überbordende heimische Anspruchsdenken und aktuelle politische Fragen stehen im Mittelpunkt eines Interviews mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (A-D) und im Vorfeld der Landtagswahl in Wien analysiert Herbert Kaspar (Am) SPÖ-nahe Machtkartelle und teure Inseratengeschäfte. Der Journalist Hans Winkler nennt die Motive der ÖVP-Wähler und klassische Anwendungsfelder bürgerlicher Politik, während Rudolf Öller einen kritischen Blick auf das Konzept der „Einheitsschule“ wirft. 

Die aktuelle Situation im Jemen steht im Mittelpunkt des Beitrags von Michael Stigelbauer, während Thomas Franz Eisenhut (Am) und Johann-Georg Stadler (Rd) die jüngsten linksradikalen Angriffe auf Couleurstudenten zusammenfassen. Abgerundet wird die aktuelle Ausgabe mit Nachrufen auf drei kürzlich verstorbene Persönlichkeiten des ÖCV.

Sie sehen alles

Surreale, wüste Verschwörungstheorien – entsprungen der Online-Welt der späten 1990er Jahre – sind keine 20 Jahre später eine akkurate Beschreibung der Realität. In Zeiten, in denen der Grat zwischen Paranoia und gesundem Misstrauen ein schmaler ist, verspricht dieser Rückblick keine guten Nachrichten. Eine beispiellose Lethargie hat den gesellschaftlichen Konsens erfasst: „Sie sehen alles“ – und kaum einen scheint es zu stören.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles, was ich tue, aufgezeichnet wird. Das ist nichts, was ich bereit bin zu unterstützen. Das ist nichts, unter dem ich zu leben bereit bin.“ Edward Snowden, Ikone einer Datenschutzbewegung, die mangels kritischer Masse keine Bewegung ist und in der Helden verzichtbar wirken, hat uns als Whistleblower nichts ins Ohr geflüstert. Mit der Veröffentlichung aller geheimdienstlichen Informationen, die unter der Klammer #SnowdenLeaks firmieren, hat er allen Internetnutzern mit höchster Lautstärke ins Gesicht gebrüllt. 

Genützt hat es wenig, massentaugliche Schutzmaßnahmen für die Privatsphäre sind Mangelware und die Bereitschaft, lieb und bequem gewordene Kommunikationsmethoden zu überdenken, scheint gering. Zumal die grassierende Angst vor Islamismus jegliche gesamtgesellschaftliche Totalüberwachung als notwendige Begleiterscheinung wirken lässt. Der Kampf zwischen erwünschter Privatsphäre und notwendigen Sicherheitsinteressen ist nicht neu und reicht im Ursprung weit vor 9/11 zurück. 

Doch nicht nur Geheimdienste haben es auf unsere privaten Daten abgesehen. Konzerne, eigene Mitarbeiter und Vorgesetzte können ebenfalls ein reges Interesse an vertraulichen Informationen entwickeln.

[...]

– Christopher Tafeit, in: Academia Juni 2015

Militärische Heimat

„Ruft laut, dass man´s in jede Hütte hört: Nicht wert ist, eine Heimat zu besitzen, der sich nicht tapfer um die Heimat wehrt!“ (Ottokar Kernstock, 1848-1928)

„Heimat“, einst positiv besetzt als „heile Welt“, wird heutzutage in der politischen Diktion oft missbräuchlich verwendet und so zu etwas Ausgrenzendem, Negativem. Dies aufgrund der oftmaligen Verwechslung von Heimatliebe mit Nationalismus – worauf schon Kurt Tucholsky tagesaktueller denn je hingewiesen hat: „In der Heimatliebe lassen wir uns von niemandem übertreffen. Unser ist es. Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle […]: es ist unser Land. Ein Teil von ihm sind wir. Und in allen Gegensätzen steht die stille Liebe zu unserer Heimat.“

„Unsere“ Heimat definiert sich, abseits regionaler Befindlichkeiten, als der Staat Österreich. Ein Staat ist, wenn es um die Einschätzung des Militärs geht, in erster Linie von „Feinden“, potentiellen Gegnern umgeben. Man benötigt daher eine Armee, die den Schutz der Grenzen übernimmt und die Unversehrtheit des Territoriums garantiert, den Staat verteidigt. Laut Artikel 79 (1) des Bundes-Verfassungsgesetzes obliegt dem Österreichischen Bundesheer diese militärische Landesverteidigung, eingerichtet nach den Grundsätzen eines Milizsystems. 

Doch objektiv betrachtet verfügt das Bundesheer heute, nach über einem Jahrzehnt konsequenter Sabotage durch seine politischen Entscheidungsträger, bestenfalls noch über ein „bisschen Miliz”. Mit der Volksbefragung zum „Freiwilligenheer“ kam die Miliz wieder in Mode, es wurden Verbesserungen angekündigt, Investitionen versprochen, Pläne geschmiedet. Am 9. April 2015 stellte Verteidigungsminister Gerald Klug seine Vorstellungen zur Miliz vor: „Zusätzliche Milizkompanien, moderne Ausrüstung, ein zeitgemäßer Auftrag und ein neues Prämiensystem sind die Eckpunkte unserer Reform”. Einen zentralen Punkt bildet die „Identitätsstiftung durch Regionalbezug“, die Stärkung der Bindung an eine „Militärische Heimat“ – ein Begriff, den es zu analysieren gilt.

[...]

– Mario Strigl, in: Academia Juni 2015

HEIMAT

Heimat fasziniert und polarisiert bis heute, und die Kraft, die in dem unklaren Begriff steckt, birgt auch reale Gefahren in sich, wie historische und aktuelle Entwicklungen leider nur zu deutlich zeigen. Aufbauend auf diesen Überlegungen leitet ein Beitrag von Andreas Kirschhofer-Bozenhardt den aktuellen Themenschwerpunkt ein und unternimmt auf Basis auf demoskopische Befunde eine Verortung der öffentlichen Meinung zum Thema Heimat. Zusammenhänge zwischen heimatlicher Verbundenheit und den Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft skizziert Armin Tschurtschenthaler (AIn), während David Nagiller (AIn) sich der Frage der Wiederherstellung der Tiroler Landeseinheit widmet. Abgerundet wird der Heftschwerpunkt mit einer aktuellen Bestandsaufnahme sowie einer kritischen Analyse des heimischen Milizwesens von Mario Strigl (AW, Merc, Walth, The)

Die bevorstehende Landtagswahl in Wien nimmt der ehemalige Obmann Bernhard Görg (AW) zum Anlass für eine umfassende Beurteilung der Perspektive für die Wiener ÖVP und der Präsident des Katholischen Familienverbandes, Alfred Trendl (NbW), kritisiert mit deutlichen Worten den kürzlich vom Bildungsministerium veröffentlichten Überarbeitungsvorschlag betreffend den Erlass zur Sexualerziehung. 

Dem aktuellen Planungsstand um ein Haus der Geschichte in Wien und Niederösterreich widmet sich Franz Oswald (FlP) und der Generaldirektor der Hagelversicherung, Kurt Weinberger (Am), verweist auf die Gefahren rund um die dramatisch hohe Bodenversiegelung in Österreich. Abschließend stellt Christopher Tafeit (ErG) die Frage nach dem Schutz personenbezogener Daten in einer vernetzten Welt und erörtert in einem Interview allgemeine Fragen der Datensicherheit.

"Glaubt an dieses Österreich!"

Ein Rückblick in das Jahr 1945 — vor 70 Jahren

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Am frühen Abend des 26. April 1965 folgten rund 40.000 Menschen dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) und versammelten sich zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Wiener Stephansplatz. Es sollte dabei sowohl an den 27. April 1945, der Unabhängigkeitserklärung Österreichs vor 20 Jahren, als auch an den 15. Mai 1955, den Staatsvertrag vor zehn Jahren, erinnert werden.

In der ersten Reihe saß todkrank und in eine Decke gehüllt jener damals noch lebende Mann, der entscheidenden Anteil an beiden Ereignissen hatte: Leopold Figl (Nc). Über die Lautsprecher ertönte in einer Neufassung seine berührende Radioansprache, die er zu Weihnachten 1945 gehalten hatte und die mit dem beschwörenden Appell endete: „Glaubt an dieses Österreich!“ Vielen Teilnehmern kamen die Tränen in die Augen, als sie diese Worte hörten. 

Zwei Wochen später erlag Figl seiner heimtückischen Krankheit, sechs Tage vor dem 15. Mai, an dem er zehn Jahre zuvor nach Unterzeichnung des Staatsvertrages im Marmorsaal des Belvedere spontan gerufen hat: „Österreich ist frei!“ Mit seinem Tod waren nun endgültig die „langen fünfziger Jahre“, wie es manchmal in der Historiographie heißt, vorbei. Sie werden auch nicht zu Unrecht als das „Heldenzeitalter“ Österreichs bezeichnet, unter anderem von Ernst Bruckmüller (Nc).

Ungeachtet weltanschaulicher Differenzen aus der Zeit vor 1938 haben beide Koalitionspartner – ÖVP und SPÖ – in gemeinsamer Anstrengung angepackt, um die Folgen der Nazizeit sowie des Krieges wegräumen und jenes Österreich aufbauen zu helfen, in dem wir heute in einem materiellen wie geistigen Wohlstand leben können, der im europäischen und vor allem globalen Vergleich wohl einzigartig ist.

[...]

– Gerhard Hartmann, in: Academia Mai 2015

Man muss ja nicht gleich Fernsehspots gestalten

Fremd- und Selbstbild des ÖCV in der heutigen Gesellschaft. Versuch einer Annäherung in fünf Bildern.

Wenn man den Begriff ÖCV googelt, erhält man ungefähr 94.600, bei „CV“ rund 951 Millionen Treffer. Der ÖCV kommt in den ersten zehn Einträgen immerhin zwei Mal vor: Einmal geht es um den Linzer CV-Ball, einmal um Politik. Natürlich hat dieses Ergebnis wenig Relevanz, untypisch sind die Treffer dennoch nicht. Denn mediale Präsenz erlangt der Verband zumeist durch Veranstaltungen oder im Zusammenhang mit politisch aktiven Cartellbrüdern. „ÖVP und CV: Geschichte einer Verflechtung“ ist der Titel des Beitrags im „Standard“ und er fügt sich in eine lange Reihe von ähnlichen, die Bedeutung des Cartellverbandes als mächtige Seilschaft betonenden Beiträgen, ein. 

Bild 1: Die mächtige, einflussreiche Seilschaft

Solche Artikel mögen aufgrund ihrer bisweilen schlechten Recherchearbeit für Ärger sorgen, aber zumindest insgeheim sieht man sich in Cartellkreisen gern mit ihnen konfrontiert. Denn jeder Bericht bestätigt die Bedeutung, die dem CV zugemessen wird: Das Bild mag hinterfragenswert sein, aber es lebt sich ganz gut damit. Anton Hopfgartner (AIn et mult), langjähriger Verbandsfunktionär, unter anderem als Leiter der ÖCV-Bildungsakademie, konstatiert nicht nur „traditionell starkes Interesse und entsprechende Verbindungen in die Politik“, er bemerkt auch, dass man dies „ebenso traditionell gerne zur Schau stellt.“ Dies führe in der Öffentlichkeit bisweilen zur Überschätzung des Einflusses des ÖCV. Was aber kein Problem sei, wenn man wisse, dass „bloße Mitgliedschaft noch kein Privileg bewirkt.“ Tatsächlich führt nahezu jeder derartige Bericht, zumindest unter Verbindungsmitgliedern,bindungsmitgliedern, zu einer Diskussion über die gesellschaftspolitische Relevanz des ÖCV. Kann ein Dachverband diese haben? Und, damit zusammenhängend, hat der ÖCV per se diese je gehabt?

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– Paul Hefelle, in: Academia Mai 2015

Der ÖCV: Fremd- und Selbstbild

Unter der Leitung des ehemaligen Chefredakteurs Mag. Paul Hefelle (F-B, BbG) haben die Mitglieder der Lehrredaktion der ACADEMIA den aktuellen Heft-Schwerpunkt „Der ÖCV: Fremd- und Selbstbild“ hauptverantwortlich gestaltet und interessante Zugänge gewählt. 

Aus aktuellem Anlass des 70. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung Österreichs am 27. April 1945 sowie der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 erinnert Gerhard Hartmann (Baj, Cl) unter anderem an jene ÖCVer, die noch in den letzten Kriegstagen wegen ihres Einsatzes für ein freies Österreich hingerichtet wurden, sowie an jene, die in ganz Österreich an der Bildung demokratischer Strukturen und dem Aufbau etwa in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Medien maßgeblich und in leitender Funktion beteiligt waren. Im Vorfeld der steirischen Landtagswahl liefert Markus Simmerstatter (Cl) eine treffende Analyse der politischen Lage in der grünen Mark, wo die zahlreichen Reformschritte von SPÖ und ÖVP bundesweite Beachtung hervorrufen. 

Für Aufregung sorgen aktuelle Forderungen nach einer Überarbeitung des Gleichbehandlungsgesetzes, die zu schwerwiegenden Eingriffen in die persönliche und unternehmerische Freiheit führen würde, wie Dr. Andreas Unterberger in seinem Beitrag warnend feststellt. 

Das Jahr 2015 wurde von Papst Franziskus zum „Jahr der Orden“ ausgerufen, und neben einem ausführlichen Einblick in die Geschichte und das Wirken des Deutschen Ordens von Paul Drobec (NdW) liefert Anselm Becker (Rg) eine Bestandsaufnahme der Orden und Klöster in Österreich und hat drei korporierte junge Ordensmitglieder interviewt. Abgerundet wird die Ausgabe mit zwei Beiträgen zu den aktuellen Landesausstellungen in Niederösterreich und Oberösterreich.

Konservativismus

Im aktuellen Themenschwerpunkt widmet sich der renommierte Marktforscher Andreas Kirschhofer-Bozenhardt der konservativen Gesinnung sowie der Frage, wie verbreitet konservative Gedanken in der Bevölkerung noch sind, während sich der Amtsträger für Gesellschaftspolitik des ÖCV, Florian Tursky (AIn), mit den Grundgedanken des Konservativismus auseinandersetzt. Zwei unterschiedliche Bestandsaufnahmen zur Frage, ob die ÖVP noch eine konservative Partei ist, legen schließlich Staatssekretär Harald Mahrer sowie der Journalist Alexander Purger vor. 

Auf Phänomene abseits des wissenschaftlich Erklärbaren verweist Herbert Kohlmaier (Rd EM) und der Steuerberater Michael Neischl (F-B) widmet sich – anlässlich der Steuerreform – den vielfältigen Berührungspunkten, die Jesus Christus mit dem Thema Steuern hatte. Nachdem neben dem Rechnungshof nunmehr auch die Evaluierung durch einen Expertenbericht offen Kritik an der Effizienz der „Neuen Mittelschule“ übt, zeigt der AHS-Lehrer Wolfgang Türtscher (Le) die Schwächen des Modells auf und plädiert für den Erhalt des Gymnasiums. 

Die wenig erfreulichen Studienabbruchszahlen aufgrund einer Erhebung des Instituts für Höhere Studien legt David Nagiller (AIn) vor und Christopher Tafeit (ErG) hat interessante Fakten rund um das Thema gekaufter akademischer Titel zusammengetragen. Nach wie vor polarisiert das „Fortpflanzungsmedizinrechts-Änderungsgesetz“ und während ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Zakostelsky (Cl) grundsätzliche Überlegungen zur Gestaltung von Gesellschaftspolitik in einem Gastkommentar äußert, verweist der Arzt und Diakon Romeo Reichel (Nc) auf die weitreichenden Auswirkungen des Gesetzes.

Von Recht und "Couleurverbot"

Nachfolgend wird dargestellt, warum — bezogen auf das „Couleurverbot“ (wobei in dem Beschluss nicht definiert wurde, was denn nun zum „Couleur“ zählt) — ein solches Verbot grundsätzlich unzulässig ist, sowie auch, dass ein solches Verbot nicht durch die Universität Wien erlassen werden könnte.

Die Meinungsfreiheit ist ein zentrales Grundrecht, das in Österreich aufgrund der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) gilt. Es steht im Verfassungsrang, weshalb einfache Gesetze, aber auch sonstige Beschlüsse und Satzungen öffentlicher Institutionen (wie eine Hochschülerschaft oder einer Universität) nicht im Widerspruch zu ihr stehen dürfen. Wird ein Gesetz oder eine Verordnung erlassen, die dennoch in einem Widerspruch zur EMRK steht, könnte der Verfassungsgerichtshof den entsprechenden Beschluss ebenso aufheben, wie der als „Aufsichtsbehörde“ berufene Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

Jedermann hat nach der EMRK Anspruch auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht umfasst das Recht, seine Meinung zu äußern, ohne dass dies, von staatlicher Seite unterbunden wird. Meinung ist in diesem Fall weit auszulegen. Darunter sind (öffentlich vorgebrachte) Werturteile, aber auch Tatsachen, Aussagen und andere Mitteilungen zu verstehen. In diesem Zusammenhang fällt das Tragen von bestimmten Bekleidungsgegenständen oder sonstigen Utensilien unter Umständen in den Anwendungsbereich der Meinungsfreiheit. Dies vor allem dann, wenn mit dem Tragen von Kleidung eine bestimmte Meinung zum Ausdruck gebracht wird. Es greift jedoch zu kurz zu behaupten, das im Beschluss der ÖH genannte „Couleur“ sei eine Kleidung und als solche von vorneherein zulässig.

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– Stefan Huber, in: Academia Feber 2015

"Unterwerfung" – unsere Zukunft?

Wir schreiben das Jahr 2022. In Frankreich ist der Moslembruder Mohammed Ben Abbes an die Macht gekommen. Er wurde nach einem Bürgerkrieg von einem Bündnis der Moslempartei mit Liberalen, Konservativen und Sozialdemokraten zum Präsidenten gewählt, um einen Sieg des Front National zu verhindern. Zuerst langsam und dann immer rascher wird die französische Gesellschaft umgebaut, islamisiert.

So der jüngste Roman des französischen Literatur-Enfant terrible Michel Houellebecq. Sein Titel: „Soumission“ – Unterwerfung, als Übersetzung des Begriffes „Islam“, der nach dem Pariser Terror durch alle Medien ging. Der Protagonist des Romans ist ein Literaturwissenschaftler der nunmehr Islamischen Universität Sorbonne in Paris, über deren Dächern jetzt der Halbmond prangt. Die Sekretärinnen müssen Schleier tragen.

Muslime auf dem Vormarsch

Houellebecq schockiert gerne, provoziert. Ist dies nun eine Schreckensvision, völlig unwahrscheinlich oder ein realistisches Szenario? – Vor allem aber hat es Houllebecq selbst Unbill eingebracht: Der Autor ist nach den furchtbaren Terroranschlägen untergetaucht. Man kann auf unserem Kontinent nicht mehr angstfrei seine Meinung sagen. Nun, in Volksschulen in vielen Städten Europas sind Muslime bereits bei weitem die größte Gruppierung und auch weiter auf dem Vormarsch. Schreiben wir dies in die Zukunft fort, so stellen Muslime schon in zwei, drei Jahrzehnten die Mehrheit, zumindest in den größeren Städten. Aber selbst in Mittel- und Kleinstädten sind sie bald die größte Gruppe: in Knittelfeld machen ausländische Schüler in den Volksschulen bereits mehr als 50 Prozent aus, fast alle Moslems. 

In fast allen größeren Städten Europas stellen die Muslime bereits bis zu 40 Prozent der Bevölkerung. In Brüssel ist „Mohammed“ der häufigste Name der Neugeborenen. Das alles wird ebenso oft verschwiegen wie der wachsende Anteil der Muslime an den Neugeborenen. In Großbritannien haben Polizisten bei Verbrechen krimineller Banden von Muslimen jahrelang weggeschaut, aus Angst vor den Banden und, um nicht als Rassisten da zustehen. In Österreich, so ein führendes Mitglied der Staatssicherheit, hat man jahrelang darauf gedrungen, die islamistische Szene nicht allzu streng zu beobachten oder gar anzufassen, das könnte das heikle Klima stören und nach Paris fragt man verängstigt: Habt ihr die Szene auch im Griff?

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– Theo Faulhaber, in: Academia Feber 2015