Man muss ja nicht gleich Fernsehspots gestalten

Fremd- und Selbstbild des ÖCV in der heutigen Gesellschaft. Versuch einer Annäherung in fünf Bildern.

Wenn man den Begriff ÖCV googelt, erhält man ungefähr 94.600, bei „CV“ rund 951 Millionen Treffer. Der ÖCV kommt in den ersten zehn Einträgen immerhin zwei Mal vor: Einmal geht es um den Linzer CV-Ball, einmal um Politik. Natürlich hat dieses Ergebnis wenig Relevanz, untypisch sind die Treffer dennoch nicht. Denn mediale Präsenz erlangt der Verband zumeist durch Veranstaltungen oder im Zusammenhang mit politisch aktiven Cartellbrüdern. „ÖVP und CV: Geschichte einer Verflechtung“ ist der Titel des Beitrags im „Standard“ und er fügt sich in eine lange Reihe von ähnlichen, die Bedeutung des Cartellverbandes als mächtige Seilschaft betonenden Beiträgen, ein. 

Bild 1: Die mächtige, einflussreiche Seilschaft

Solche Artikel mögen aufgrund ihrer bisweilen schlechten Recherchearbeit für Ärger sorgen, aber zumindest insgeheim sieht man sich in Cartellkreisen gern mit ihnen konfrontiert. Denn jeder Bericht bestätigt die Bedeutung, die dem CV zugemessen wird: Das Bild mag hinterfragenswert sein, aber es lebt sich ganz gut damit. Anton Hopfgartner (AIn et mult), langjähriger Verbandsfunktionär, unter anderem als Leiter der ÖCV-Bildungsakademie, konstatiert nicht nur „traditionell starkes Interesse und entsprechende Verbindungen in die Politik“, er bemerkt auch, dass man dies „ebenso traditionell gerne zur Schau stellt.“ Dies führe in der Öffentlichkeit bisweilen zur Überschätzung des Einflusses des ÖCV. Was aber kein Problem sei, wenn man wisse, dass „bloße Mitgliedschaft noch kein Privileg bewirkt.“ Tatsächlich führt nahezu jeder derartige Bericht, zumindest unter Verbindungsmitgliedern,bindungsmitgliedern, zu einer Diskussion über die gesellschaftspolitische Relevanz des ÖCV. Kann ein Dachverband diese haben? Und, damit zusammenhängend, hat der ÖCV per se diese je gehabt?

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– Paul Hefelle, in: Academia Mai 2015