Militärische Heimat

„Ruft laut, dass man´s in jede Hütte hört: Nicht wert ist, eine Heimat zu besitzen, der sich nicht tapfer um die Heimat wehrt!“ (Ottokar Kernstock, 1848-1928)

„Heimat“, einst positiv besetzt als „heile Welt“, wird heutzutage in der politischen Diktion oft missbräuchlich verwendet und so zu etwas Ausgrenzendem, Negativem. Dies aufgrund der oftmaligen Verwechslung von Heimatliebe mit Nationalismus – worauf schon Kurt Tucholsky tagesaktueller denn je hingewiesen hat: „In der Heimatliebe lassen wir uns von niemandem übertreffen. Unser ist es. Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle […]: es ist unser Land. Ein Teil von ihm sind wir. Und in allen Gegensätzen steht die stille Liebe zu unserer Heimat.“

„Unsere“ Heimat definiert sich, abseits regionaler Befindlichkeiten, als der Staat Österreich. Ein Staat ist, wenn es um die Einschätzung des Militärs geht, in erster Linie von „Feinden“, potentiellen Gegnern umgeben. Man benötigt daher eine Armee, die den Schutz der Grenzen übernimmt und die Unversehrtheit des Territoriums garantiert, den Staat verteidigt. Laut Artikel 79 (1) des Bundes-Verfassungsgesetzes obliegt dem Österreichischen Bundesheer diese militärische Landesverteidigung, eingerichtet nach den Grundsätzen eines Milizsystems. 

Doch objektiv betrachtet verfügt das Bundesheer heute, nach über einem Jahrzehnt konsequenter Sabotage durch seine politischen Entscheidungsträger, bestenfalls noch über ein „bisschen Miliz”. Mit der Volksbefragung zum „Freiwilligenheer“ kam die Miliz wieder in Mode, es wurden Verbesserungen angekündigt, Investitionen versprochen, Pläne geschmiedet. Am 9. April 2015 stellte Verteidigungsminister Gerald Klug seine Vorstellungen zur Miliz vor: „Zusätzliche Milizkompanien, moderne Ausrüstung, ein zeitgemäßer Auftrag und ein neues Prämiensystem sind die Eckpunkte unserer Reform”. Einen zentralen Punkt bildet die „Identitätsstiftung durch Regionalbezug“, die Stärkung der Bindung an eine „Militärische Heimat“ – ein Begriff, den es zu analysieren gilt.

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– Mario Strigl, in: Academia Juni 2015