Diplomatie 2.0: "Das kann man doch nicht so sagen!"

Die Bundespräsidentenwahl steht direkt bevor und ihr Ausgang ist offen – das kann man auch mit dem Abstand behaupten, den die Produktionsdauer und der Postweg nötig machen. Die ACADEMIA erscheint nun ein volles Jahr in neuer Aufmachung und beinahe die ganze Zeit hatte sie diverse (geplante) Urnengänge zur Wahl des Staatsoberhaupts als Begleiter, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Auch in dieser Ausgabe behalten wir diese Praxis bei – die Abwägungshilfe von Alexander Purger aus der vergangenen Nummer hat immer noch Gültigkeit. Was aber eine Konstante all dieser Wahlgänge blieb, war die gleichbleibende Kluft zwischen veröffentlichter Meinung in den Mainstream-Medien und der vox populi. Ein Phänomen, das sich auch bei den US-Wahlen wieder eindrucksvoll zeigte. Der Maulkorb, den man sich heute oft auferlegen lassen muss oder selbst auferlegt, bestimmt die heutige Ausgabe, die als Fortsetzung der letzten Nummer den Titel "Diplomatie 2.0" trägt.

Nach einer kurzen Einführung ins Thema hat Armin Arbeiter (Rd) ein recht kritisches Interview mit einer ganz und gar undiplomatischen und vielgehassten Dame geführt – Beatrix von Storch. Dem schließt sich ein Interview mit dem ungarischen Botschafter János Perényi über Diplomatie, Orban und Putin von Achim Ertl (BbG) an. "Diplomatie oder überzogene Toleranz?" musste man sich fragen, als deutsche Bischöfe auf muslimische Bitte hin ihre Brustkreuze am Tempelberg in Jerusalem ablegten. Der Blogger Marco Gallina erklärt, warum Don Camillo das nicht getan hätte. Zur Abrundung des Schwerpunktes hat Florian Kamleitner (Rd) einen heiteren Ausflug in die Welt der roten Netzwerke unternommen.

Unsere Serie zum neuen ÖCV-Grundsatzprogramm widmet sich diesmal dem Verhältnis des Verbandes zur Religion. Unter anderem gibt Bischof Manfred Scheuer (AIn) dazu einen Kommentar ab. Einen wertvollen historischen Beitrag steuert Gerhard Hartmann (Cl, Baj) zur ersten Halbzeit des ersten Weltkrieges bei, Thomas Eisenhut (Am) berichtet von Würdigungen in Wissenschaft und Technik. Das Heft wird von Kommentaren, Lesermeinungen und diesmal auch wieder von Rezensionen abgeschlossen.

Übrigens: Den Aufruf auf der Titelseite möge man als billige Effekthascherei ansehen. Der neue Bundespräsident – wer immer es auch sei – darf ihn aber als Ansporn sehen, auch unliebsame Meinungen aller Österreicher ernst zu nehmen und das Amt ohne jede Überheblichkeit auszuüben. Was auch den Medien- und Meinungsmachern des Landes ins Stammbuch geschrieben sei.

MAKE AUSTRIA GREAT AGAIN!