Eine Frage der Diplomatie?

Eine diplomatische Krise warte auf Österreich, sollte Norbert Hofer zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt werden. Das Ansehen Österreichs in der Welt werde massiven Schaden nehmen. Nun ja – seit der ersten Stichwahl sind wir nun weltweit für unsere Schlampigkeit bekannt. Der versuchte zweite Anlauf kommt dann schon einem Schildbürgerstreich gleich. Was auch immer bei der Wahl des höchsten Amtes im Staate herauskommt, wann auch immer der Urnen- oder Postkastengang stattfinden wird – wirklich überraschen oder schockieren wird das Ergebnis kaum jemanden mehr. Zu viele Skurrilitäten hat man inzwischen verdaut. Für einen schalen Beigeschmack sorgen beide Kandidaten.

Um dieser frustrierenden Situation zu entgehen, wagen wir einen Blick zurück, als Österreich zwar auch unorthodox vorging, damit aber einen besseren Eindruck in der Welt hinterließ. Zwei Zeitzeugen lassen uns einen Blick hinter die Kulissen des Staatsvertrags werfen. Eine härtere Gangart fuhren die Diplomaten am Vorabend des Ersten Weltkriegs, wie Eric Leuer (Agg) zur „Mission Hoyos“ erörtert. Um uns allerdings nicht ganz ins Gestern zu flüchten, versucht der Vorsitzende der Paneuropa-Jugend, Philipp Jauernik (FRW), Klarheit in der Frage „Mehr oder weniger Europa?“ zu bringen. Der renommierte Journalist Reinhard Olt fragt anlässlich des 70. Jahrestages des Gruber-De Gasperi-Abkommens provokant: „Magna Charta“ für oder „Verrat“ an Südtirol?

Der Heftschwerpunkt zieht sich diesmal eigentlich durch die gesamte Ausgabe. Denn auch wenn Recep Tayyip Erdoğan nicht unbedingt im Ruf steht, diplomatisch aufzutreten, beweist er doch ein Händchen im Krisenmanagement. Wir haben Walter Posch (Alp) in dieser Ausgabe besonders viel Platz gegeben, um die komplexen Hintergründe des Putsches im Juli zu beleuchten. Ungezwungen, fast naiv und deshalb auch etwas undiplomatisch wirkt bisweilen Papst Franziskus. Mit diesem Thema macht der Neupriester Quirinus Greiwe (Rst, Rd) den Auftakt für die meinungsjournalistischen Beiträge der Ausgabe.

Auch die Technologie hat ihren Platz in dieser Ausgabe und Wolfgang Moser (Nc) zieht in seinem Beitrag eine Trennlinie zwischen erneuerbaren Energien und Ideologie.

Im Zuge der Reihe zum neuen ÖCV-Grundsatzprogramm beschäftigen sich schließlich junge ÖCV-Mitgieder mit dem Prinzip „Patria“, was den Kreis wieder schließt: Auch die BP-Wahl ist natürlich Thema. Alexander Purger (Lp) liefert einen absolut wahlterminunabhängigen Leitfaden, der anregt und nicht bevormundet. Dafür benötigten wir schon einen Politjournalismus-Vollprofi.