Untergang des Abendlandes?

Geht das Abendland bald unter? Die vergangenen Wahlen – so der Tenor der Verlierer – standen allesamt ganz im Zeichen der Flüchtlingsproblematik. Plakatsujets, die jenem Schriftzug auf der Titelseite der aktuellen ACADEMIA gleichen, bekommen wieder mehr Rückenwind.

Die Flüchtlingsströme haben es vielen betont Toleranten und Weltoffenen schwer gemacht weiterhin tolerant und weltoffen zu bleiben. Konservative taumeln zwischen Werterelativismus, christlicher Nächstenliebe und Angst vor dem Fremden. „Mama“ Angela Merkel bleibt bei ihrem bedingungslosen „Wir schaffen das“. In diesem unsicheren Klima ist es ausgerechnet jener österreichische Minister, den man als Tafelklassler angesehen hatte, der ganz Deutschland erklärt, wie Asylpolitik zu funktionieren hat – unter dem Applaus der Massen. Die Menschen haben Angst um ihre Heimat, wie sie sie kennen. Vor Werteverlust, wobei viele gar nicht mehr wissen, was diese Werte eigentlich sein sollen. Der Untergang des Abendlandes steht scheinbar direkt bevor.

Aber was ist dieses Abendland überhaupt? Ist es das „Abendland in Christenhand“ (ein FPÖ-Slogan, auf den H. Quirinus Greiwe (Rst, Rd) in seinen Betrachtungen eingeht)? Sind unsere Werte wirklich bedroht durch die Immigranten oder leidet unsere Leitkultur eher an der „Lauheit der Österreicher“, wie es Präsidentschaftskandidat Andreas Khol (R-B) im Interview fragt? Mit juristischen Unklarheiten in der Flüchtlingsfrage beschäftigt sich der renommierte Völkerrechtler Wolfram Karl (R-J EM). Eine völlig andere Perspektive auf den scheinbaren Widerspruch Abendland–Morgenland bringt der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar (Cp). Der Militär-Experte und Iranist Walter Posch (Alp) erklärt indes die schwierige Situation rund um den Syrienkonflikt. 

Die ACADEMIA sprach in einem offenen Interview mit Andreas Khol, dem ÖCVer unter den BP-Kandidaten. Die Bundespräsidentenwahl wird auch in einem „Anno dazumal“ aufgerollt – im Spiegel historischer ACADEMIA-Ausgaben. Außerdem Thema: Die Schuldebatte geht weiter – dazu Wolfgang Türtscher (Le) –, und Gerhard Hartmann (Baj) zeigt Parallelentwicklungen zu Österreich bei den deutschen Hochschulwahlen auf. Bildung abseits der Politik bringt Martin Vácha (Alp) näher: nämlich das scheinbar ungleiche Paar Kunst und Wissenschaft.

In den Kommentaren wird es aber sofort wieder hochpolitisch. Auf den Pensionsgipfel gehen gleich zwei Autoren ein: Verbandsführungs-Vorsitzender Georg Feith (GlL) schreibt über Vogelstrauß-Mentalität, und auch Herbert Kaspar (Am) hat wieder seine berühmt-berüchtigte spitze Feder gezückt.